Gestern in der früh hat es an meiner Tür geklingelt. Zwei Personen mittleren Alters standen vor der Tür und haben mir einen Flyer in die Hand gedrückt und meinten irgendwas mit Bibel. Ich habe ihnen den Flyer mit den Worten “Wir haben keine Bibel” wieder zurückgegeben. Okay, ich muß zugeben, wir haben eine Bibel in der Wohnung. Diese steht zwischen Koran und dem persischen Lesebuch im untersten Regal. Aber das brauchen die beiden ja nicht wissen.
Für mich ist die Bibel eine Sammlung von jahrtausenden alten Geschichten, die lange Zeit mündlich überliefert und übersetzt wurden, bevor sie niedergeschrieben wurden. Durch die mündliche Überlieferungen haben sich die Geschichten verändert und auch Übersetzungsfehler haben sich eingeschlichen. Und wenn man jetzt die Wikipeda-Kriterien anwenden würde, wären wohl alle Inhalte gelöscht worden, da sie nicht belegt bzw. belegbar sind.
Ich sagte dann freundlich zu den beiden vor der Tür stehenden Personen, dass ich nicht sehr an diesem Buch mit gesammelten Geschichten interessiert bin. Dort stecken mir zu viele Fehler drin. Und nannte als Beispiel mal “Jungfrau Maria”, welche eigentlich “junge Frau Maria” heißt. Auch das “Kamel durch ein Nadelöhr” zählte ich als weiteres Beispiel auf. Dann holte ich noch aus, dass auch im Koran Übersetzungsfehler seien und belegte dies mit den “72 Jungfrauen”, welche aber eigentlich “27 weiße Tauben (von kristallener Klarheit)” sind.
Oh, da habe ich ihn wohl schockiert. Die Bibel mit dem Koran zu vergleichen. Boah. Wie kann ich nur. Er meinte dann – etwas hochnässig – er hätte die Bibel studiert und wir hätten alle eine positive Zukunft. Ich hingegen erwähnte kurz Stuttgart und meinte, dass man da jetzt nicht wirklich viel von der Zukunft sieht. Aber vielleicht hätte ich lieber sagen sollen, dass ich die “Zukunft” (wie sie in Star Trek gezeigt wird) studiert habe und das es dort kaum noch religiöse Fanatiker gibt.
Er hat es schließlich aufgegeben und ist gegangen. Schade eigentlich. Es wurde gerade interessant. Vermutlich hat er auch die Bibel durchgelesen. Aber er sollte auch mal den Koran lesen. Sonst ist er nur sehr einseitig informiert. Schließlich heißt es doch immer, man sollte mindestens zwei unterschiedliche Quellen nennen.
Der Flyer hatte mich ein wenig an die von Seintolloschi erinnert. Allerdings entspricht das Auftreten eher den Zeugen Jehovas. Allerdings war der Herr wesentlich ungeduldiger und auch nicht so freundlich. Okay, wenn man das Leben (z.B. Geburtstag) nicht feiern darf, würde ich wohl auch depressiv und grantig werden. Und kein Sex vor der Ehe? Ob das auch in der Bibel so steht oder einfach von irgendwelchen Religionsführern erfunden wurde – ähnlich wie das Zölibat?
Bin mal gespannt, ob ich bis zum nächsten Besuch besser vorbereitet bin.
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