Es war Samstag. Im Kalender war ein harmlos wirkender Eintrag: “Brunchen beim Generalkonsul”. Am morgen haben wir uns dann fertig gemacht und unsere Classic-Uniformen aus den Keller geholt. Wollen wir wirklich die Uniformen anziehen? Wir treffen den Generalkonsul – und ziehen dazu unsere Uniformen an. Schon irgendwie untypisch. Andererseits repräsentieren wir – als die Herrschaften vom Trekdinner – unseren Münchner Science Fiction und Fantasy Stammtisch. Und es ist sicherlich lustiger. Auch hatte ich ja per Mail die Bestätigung bekommen, dass es sogar großartig wäre. Dann haben wir schließlich noch unsere beiden Tribbles – handgemacht von Christina – mitgenommen. Zusätzlich hatte ich auch noch meine alte Redshirt-Uniform eingepackt. Vielleicht will die ja kurz mal jemand anziehen. Da wir nicht zu spät kommen wollten, sind wir auch recht zeitig in Auto eingestiegen und losgefahren. Es war doch sehr zeitig. Ich fragte Sandra, wie lang wir wohl etwa fahren würden. Etwa eine halbe Stunde. Dann wären wir aber über eine Stunde zu früh. Sandra hielt noch in der Tiefgarage an und überprüfte die Einladung. Tatsächlich. Brunchen ist erst um elf Uhr. Wir hatten jetzt also doch nochmal eine Stunde Zeit. Das war ganz gut, da ich mein tägliches Profilfoto noch nicht gemacht hatte.
Wir hatten weniger als eine halbe Stunde gebraucht und waren 20 Minuten zu früh da. Wir sind dann vor die Tür gegangen und überlegten, ob wir jetzt schon klingeln sollte. Unser Gespräch wurde unterbrochen, als plötzlich ein Wachmann auftauchte. Ich stotterte irgendwas mit Invitation. Er holte eine Liste hervor und fragte nach unseren Namen. Sandras Namen hatte er sofort gefunden, bei mir hatte er erstmal etwas suchen müssen. Aber mein Name stand auch drauf. Er öffnete die Tür und lies uns rein. Leider hat er dann auch unsere Einladung genommen – hätte ich schon gerne als Erinnerung behalten. Wir standen dann vor der Haustür. Ding-Dong.
Kurz darauf wurde die Tür geöffnet. Es war die Dame vom U.S.-Konsulat, die mich damals wegen den Sci-Fi-Kontakten angesprochen hatte. Ich hatte mich bereits am Vorabend bei der Lesung im Amerikahaus unterhalten. Neben ihr stand noch ein Kollege. Nachdem wir unsere Mäntel in den Schrank gehängt hatten sind wir ins Wohnzimmer gefolgt wo uns dann der U.S. Generalkonsul Conrad Tribble begrüßte. Er freute sich sichtlich über die Uniformen und fragte nach, was das Trekdinner eigentlich genau ist. In der Zwischenzeit hatte auch sein Personal uns zur Begrüßung ein Glas Sekt gebracht.
Als er unsere Tribbles gesehen hatte, ist er nochmal kurz in den Nebenraum und brachte zwei große Tribbles, eine Fedcon-DVD, eine OSTFC-Clubzeitschrift und ein Fedcon-Schreiben mit. Als ich das sah, dachte ich mir gerade, dass jemand aus Augsburg sich wohl sehr gefreut haben muß, dass ich Augsburg als Vorort von München angesehen habe ;-). Wir hatten ein wenig über die Fedcon gesprochen als es klingelte. Ist es John Scalzi? Wir schauten neugierig zur Tür. Er war es nicht. Es war auch niemand von den Kontakten, die ich nannte. Es handelte sich um Dr. Peter Seyferth – einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der LMU München. Ein sehr interessanter Gesprächspartner. Er hatte seinen Dr. phil. mit dem Thema “Utopie und Science Fiction bei Ursula K. Le Guin” abgeschlossen. Es kamen noch weitere Gäste. Unteranderem der Leiter des Amerikahaus mit einem Kollegen, eine Filmemacherin und noch ein paar weitere. John Scalzi kam dann zusammen mit einer Dame vom Heyne-Verlag. Als wir dann vollständig waren – leider keiner von den mir genannten Kontakten – hat der Generalkonsul das Buffet eröffnet.

Generalkonsul Conrad Tribble und John Scalzi beim Buffet
Das Buffet war lecker. Nürnberger, Gebäck, Rührei mit Bacon (der beste Bacon, den ich bisher gegessen habe) und Obst. Wir sind dann mit den Tellern wieder ins Wohnzimmer und haben uns dort verteilt. Naja, eigentlich waren die meisten um John Scalzi herumgesessen und hatten seinen Erzählungen gelauscht.
Ich hatte mich mit Dr. Seyferth über die Covers des Heyne-Verlags unterhalten. Alle deutschen John Scalzi Bücher hatten ein Raumschiff auf dem Cover. Mit Laserstrahlen. In keinen der bisher von mir gelesenen Geschichten kamen aber laserfeuernde Raumschiffe vor. Selbst die Raumschiffe, die im Buch beschrieben wurden, schauen ganz anders aus. Ich erfuhr, dass dies eventuell damit zu tun haben könnte, dass der Heyne-Verlag das Buch “Der stählerne Traum” veröffentlichen wollte. Ein Buch über einen erfolglosen österreichischen Maler der – anders als in unserer Realität – nach USA auswanderte und dort Science Fiction schrieb. Das diese Cover in Deutschland Probleme machen, kann man sich sicherlich denken.
Als wir alle mit dem Brunchen fertig waren, hat John Scalzi seinen Reader ausgepackt und uns ein weitere Kapitel von Redshirts vorgelesen. Yeah, ich freue mich schon auf das Buch. Die Dame vom Heyne-Verlag hatte uns nochmal bestätigt, dass Heyne dieses Buch rausbringen wird. Auch am Abend davor hatte Sascha Mamczak (betreuer der Science Fiction-Reihe bei Heyne) uns dies bereits versprochen. Das Buch wird aber wohl nicht rechtzeitigt zur Fedcon erscheinen. Schade eigentlich. John Scalzi hatte am Freitag gezeigt, dass er nicht nur ein genialer Autor ist, sondern auch sehr gut auf einer Bühne stehen kann. Und auf der Fedcon treffen sich die zahlungskräftigeren Science-Fiction-Fans aus ganz Europa. Idealer Ort für dieses Buch. Ach, ich kann es gar nicht erwarten, bis es das Buch gibt.

John Scalzi spielt auf der Ukulele (Foto Konsulat)
Langsam näherte sich die Veranstaltung auch dem Ende. Zum Abschluss wollte der Generalkonsul noch ein paar Fotos mit seiner Frau, John Scalzi und uns beiden machen. Das liegt sicherlich an unserer Uniform.

Sandra, Generalkonsul Conrad Tribble, John Scalzi, Florian und Christina Tribble (Foto Konsulat)
Wir haben uns dann verabschiedet. Der Generalkonsul hat sich dann noch dafür bedankt, dass wir Farbe ins Spiel gebracht haben. Als wir auf dem Heimweg waren mußten wir mit schrecken feststellen, dass wir unsere Tribbles vergessen hatten. Wie peinlich. Kurz zurück. An der Tür hatten sich gerade die letzten Gäste verabschiedet. Sie hatten unsere Tasche schon griffbereit.
Wow, das war ein geiles Event. Einzigartig. Der Generalkonsul hat mich auch überrascht. Auch wenn wir mehr eine “Statisten-Rolle” hatten (oder das zumindest für uns so reininterpretiert hatten) war die Unterhaltung immer auf Augenhöhe. Er kann super mit Menschen umgehen. Vermutlich ist er deswegen auch Konsul. Was mich auch überraschte war, als er sein Smartphone zückte um in Twitter John Scalzi zu folgen. Und das war für ihn ganz verständlich. So sollte es auch sein.
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