Zur Zeit geistern teilweise sehr fragwürdige Vorschläge für einen neuen Jugendmedienschutzstaatsvertrag herum. Bei den meisten Vorschlägen geht es nicht darum, die Jugend zu schützen, sondern nur um das Internet zu zensieren und zu kontrollieren. Aber andere gefährliche Medien werden kaum erwähnt. Ich habe hier ein paar Vorschläge, wie der Jugendschutz in anderen Medien deutlich verbessert werden kann:
Printmedien
Es gibt so manche Printerzeugnisse, welche für Kinder ungeeignet sind. Nehmen wir als Beispiel mal Sex-Zeitschriften – Magazine mit erotischen Inhalten. Eine solche Zeitschrift könnte möglicherweise die Entwicklung eines Kindes negativ beeinflußen. Wie wird kontrolliert, dass diese nicht in Kinderhand gerät? Das Magazin wird einfach weit oben im Regal eingeräumt. Und das war es schon, oder? Vielleicht verlangt der Verkäufer noch, dass ein Lichtbildausweis vorgezeigt wird. Aber wie wird sichergestellt, dass der Käufer die Zeitschrift nicht weiterreicht? Ist es da verwunderlich, dass solche Zeitschriften an Schulhöfen auftauchen?
Wie könnte man jetzt den Jugendschutz verbessern? Das größte Risiko besteht eigentlich beim Kunden. Dieser könnte die Zeitschrift weiterreichen, diese ungesichert aufheben oder sie nicht angemessen entsorgen (ins Altpapier werfen reicht nicht aus, da könnten Kinder drankommen). Dem Käufer muß also mehr Verantwortung übertragen werden. Meine Idee ist es, dass jede Zeitschrift eindeutig gekennzeichnet wird (ist heute ja kein Problem mehr) und der Käufer seine Personalien beim Kauf hinterlegen muß. Falls diese Zeitschrift nun auf einem Pausenhof auftaucht, kann man anhand der gespeicherten Daten den Käufer ausfindig machen. Natürlich muß der Datenschutz dabei beachtet werden! Die gespeicherten Daten sind nur über die Zeitschrift zugreifbar (eventuell sogar direkt in der Zeitschrift gespeichert). Durch eine fachgerechte Entsorgung (Vernichtung der Zeitschrift) werden die Daten auch wieder gelöscht.
Somit ist sich der Käufer seiner Verantwortung bewußt und achtet besser darauf.
Das ist natürlich nur ein Beispiel, wie man Jugendschutz in Printmedien verbessern könnte. Und falls jemand diese Idee für überzogen hält, schaut euch mal die Vorschläge für den Jungendmedienschutzstaatsvertrag an. Ihr werdet merken, dass mein Vorschlag hier wesentlich praktischer und sinnvoller ist.
Fernsehen
Im Medieum Fernsehen gibt es zahlreiche Themen, welche Kinder bei ihrer Entwicklung stark negativ beeinflußen. Fangen wir mal mit den Nachrichten an. Gibt es bei Nachrichten eine Kennzeichnungspflicht? Wie alt müssen Zuschauer sein, um die schrecklichen Bilder verarbeiten zu können? Da werden in den Nachrichten hemmungslos irgendwelche Leichenteile, zerfetzten Menschen und zerstörten Gebäude gezeigt. Szenen die in Kinofilmen eine FSK18 -Kennzeichnung bedeuten würden. Dazu wird ja vorallem nur über negative Ereignisse in der Welt berichtet. Glaubt ihr etwa, dass Kinder in ihrer Entwicklung nicht gestört werden, wenn sie nur von Katastrophen erfahren oder dauernd nur hören, wie schlecht unsere Welt ist? Okay, es geht halt um Einschaltquoten. Um Geld. Warum sollte man Zuschauer vergraulen wegen ein wenig Jugendschutz? Außerdem niemand will doch positive Nachrichten hören. Katastrophen sind halt viel interessanter.
Als ich noch einen Fernseher hatte, empfand ich auch das Nachmittagsprogramm als nicht gerade förderlich für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Da werden in irgendwelchen Talkshows Themen diskutiert, bei denen Kinder und Jugendliche besser nicht zusehen sollten.
Und auch bei Sendungen in der Nacht kommt vielleicht noch ein kurzer Text “Diese Sendung ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet”. Und das ist dann schon der ganze Jugendschutz. Es gibt keine Kontrollmechanismen. Die Sendung kann problemlos von Kindern und Jugendlichen angeschaut oder auch aufgezeichnet werden. Wo ist da der Zugangsanbieter der darauf achtet, dass die Inhalte nur von Erwachsenen genutzt werden?
Und ja, es gibt natürlich Möglichkeiten. Sendungen mit Altersbegrenzung können in einem verschlüsselten Format gesendet werden. Für die Entschlüsselung gibt es genug Geräte auf dem Markt. Die Konsumenten können sich mit Angabe ihres Geburtsdatums registrieren und somit die Sendung für sich – wenn sie alt genug sind – freischalten. Wie oben bereits beschrieben sollten natürlich auch die Nachrichten Infotainment-Sendungen verschlüsselt werden. Ebenso alle anderen fragwürdigen Sendungen. Bleibt natürlich die Frage, ob unsere Fernsehsender dann überhaupt noch Sendungen hätten, die unverschlüsselt übertragen werden könnten… Aber das ist dann Aufgabe des Programmchefs.
Aber das können doch auch die Eltern?
Euch ist sicherlich bei der einen oder anderen Idee mal der Gedanke gekommen, dass dies doch Aufgabe der Eltern/Erziehungsberechtigen ist. Eltern achten darauf, dass ihre Kinder keine Sex-Zeitschriften kaufen und keine Sendungen angesehen werden, die ungeeignet sind (zumindest diejenigen, die Nachts kommen). Wenn Eltern dazu in der Lage sind, dann können sie auch den Internet-Konsum ihrer Schützlinge kontrollieren. Keine noch so tolle Zensurinfrastruktur kommt an aufgeklärte Eltern ran. Darum ist es umso erschreckender, dass den Eltern vermittelt wird, dass sie dazu unfähig seien. Wenn Eltern Angst vor dem Internet haben und lieber einer dummen Software oder leicht zu umgehend Sperren mehr trauen, dann ist es für die Kindern schon zu spät. Dumme Software läßt sich austricksen, intelligente Eltern nicht so leicht.
Viel wichtiger ist daher, den Eltern bewußt zu machen, dass sie ihre Kinder erziehen können und auch sollen. Eltern müssen im Bereich Mediennutzung durch Kinder stärker unterstützt werden. Eine Alterskennzeichnung von Websites – wie es seit Jahren im HTML-Standard gibt (z.B. <meta name=”rating” content=”general” /> veraltet und inzwischen durch den PICS-Standard ersetzt) – ist hilfreich, hat aber nichts mit einem Staatsvertrag zu tun. Es ist eine Möglichkeit, mit der ein Website-Betreibern den Eltern beim Jugendschutz unterstützen kann. Während es vermutlich Anbieter von Sexseiten nutzen würden, sind Medienunternehmen vermutlich eher uneinsichtig – rumliegende Körperteilen oder eine Fotostory zu einer öffentlichen Hinrichtung sind nicht so schlimm wie eine nackte Brust – und werden ihre Inhalten nach ihren ganz eigenen Maßstäben kennzeichnen wollen.
Jugendschutz gehört in die Hände der Eltern, nicht in dumme Software.