Wenn Löschen nicht funktioniert sind Sperren noch gefährlicher!
Dienstag, den 17. August 2010Die FAZ hat vor kurzem geschrieben, dass “Löschen” angeblich doch nicht funktionieren würde. Natürlich freut sich jetzt Union, BKA und andere Organisationen die mit Inhalten im Internet Geld verdienen. Jetzt kann man ja wieder Sperren fordern.
Ein Problem an diesen Sperrlisten ist aber, dass es vom BKA erstellt und an Provider verteilt wird, damit diese es auf einen Server packen, dessen Aufgabe es ist Auskünfte zu erteilen. Diese pseudo-geheime Liste landet also auf einem sehr mitteilsamen Dienst im Internet. “Interessierte” brauchen nur noch die richtigen Fragen an den Nameserver zu stellen, um die Liste zu bekommen. Es gibt viele Möglichkeiten an diese Listen ranzukommen. Und möglicherweise werden diese Listen dann auch auf Schulhöfen verteilt, weil es vielleicht einige Jugendliche “cool” finden, sich gegen die Willkür des Staates behaupten zu können.
Dieses Argument – dass der Zugang zu solchen Seiten mit diesen Sperr-Listen leichter wird – war bisher aber eher unbedeutend, da die Inhalte kurz nach Entdeckung gelöscht gewesen seien. Aber jetzt gibt es wohl doch Listen, die wieder Seiten enthält, die doch länger online sein könnten?
Sperren ist keine “Alternative” bei der Bekämpfung von KiPo im Internet. Der einzige sinnvolle Weg ist Löschen! Wenn dies nicht immer klappt, dann müssen die Ursachen dafür gefunden und Lösungen erarbeitet werden! Alles andere ist Schwachsinn und im Fall von Sperren werden solche Seiten eigentlich auch noch durch das BKA aktiv “beworben”!
Eine Herausforderung im Internet ist, dass es nicht auf ein Land und dessen rechtlichen Bestimmungen beschränkt ist. Was in Deutschland verboten ist, ist in anderen Ländern erlaubt. Was in anderen Ländern verboten ist, ist in Deutschland erlaubt. Das hängt sehr mit den Kulturen zusammen.
So ist in einer Kultur ein Bild mit einem nackten Kind beim Baden schon KiPo – für andere nur ein harmloses Urlaubsfoto. Schwieriger wird die Diskussion aber bei Nacktfotos von sehr jung aussehenden, aber bereits volljährigen Personen. In islamischen Ländern ist man wesentlich restriktiver. In manchen europäischen Ländern sieht man des etwas lockerer. Ein weiteres interessantes Beispiel für die Unterschiede ist auch das Schutzalter.
Offen bleibt aber die Frage, ob die Seiten, welche gemeldet wurden überhaupt in Deutschland oder dem jeweilgen Hosting-Land verboten sind. Im Bericht der FAZ wird leider nicht erwähnt, ob die gemeldeten Seiten richterlich überprüft wurden. Nur weil eine Seite “gemeldet” wird, muß sie noch nicht die Voraussetzungen erfüllen, um gelöscht werden zu können. So sind laut heise bei der Beschwerdestelle INHOPE im ersten Halbjahr 38.679 Beschwerden eingegangen, davon haben sich 238 auf KiPo bezogen, wovon sich nur noch 207 als Begründet herausgestellt hätten. Erschreckend ist aber die Tatsache, dass gerade einmal 18 Fundstellen im Ausland gehostet waren.
Eins ist aber klar. Wenn ich beweisen wollen würde, dass Löschen nicht wirksam seien, dann würde ich für den Nachweis vorallem Seiten melden, die zumindest schwer einzustufen sind und welche eventuell im Hosting-Land nicht als illegal empfunden werden. Andersherum kann man sich natürlich auch die Statistiken schönen, indem man vorallem Seiten meldet, auf denen eindeutig Kinderpornografie zu finden ist – welche dann ja auch schnell gelöscht wird. Die Politiker und Medien, welche Sperren fordern, greifen natürlich nur die Auswertungen auf, die ihre Forderung nützen.Ich persönlich finde es aber viel wichtiger, dass dieses ekelhafte Material aus dem Internet verschwindet! Das hat da nichts verloren und muß gelöscht werden!
Das Inhalte auch widerrechtlich und ungeprüft gelöscht werden können hat erst vor kurzem die GVU wieder bewiesen. Und das zeigt auch wieder, wie gefährlich Sperren sein können. Es gab schon die Forderungen, Sperren auf Urheberrechtsverletzungen auszuweiten. Dann würde nicht nur eine Liste von BKA, sondern auch eine von GVU und anderen Organisationen erstellt werden, welche ungeprüft den Zugang zu unerwünschten Seiten erschweren sollen. Klar, für die Pädophilen stellt diese Sperren keine Hürde da (ist leider sogar hilfreich, um solche Seiten zu finden), aber der restliche Bevölkerung wird beispielweise dann der Elektrischer Reporter vorenthalten.





