Endlich Nichtraucherschutz in Bayern
Montag, den 5. Juli 2010 um 11:38Es ist vollbracht. Es gibt einen Nichtraucherschutz in Bayern. Beim Volksentscheid wurde über ein Gesetz abgestimmt, dass ursprünglich von der CSU stammte – bevor sich vor der Tabaklobby eingeknickt ist und viele Ausnahmen zugelassen hatte. Ausnahmen, welche den Nichtraucherschutz wieder ausgehebelt hatten. Zumindest in vielen Wirtschaften konnten Nichtraucher noch ungestört essen.
Und da hatte es dazu geführt, dass Raucher positiv aufgefallen sind. Plötzlich waren einige Gesprächspartner weg und wurden vermißt – weil sie kurz vor die Tür sind um eine zu Rauchen. Früher haben die Raucher einfach am Tisch geraucht und sich somit unbeliebter gemacht.
Jetzt kann ich auch mal wieder öfters mit meinen Kollegen Abends weggehen. Von Rauch bekomme ich Kopfschmerzen und bin deswegen ungern weggegangen. Damit habe ich zwar sicherlich auch ein paar Existenzen gefährdet – schließlich bin ich ein Vielesser und lasse meist überdurchschnittlich viel Geld beim Wirt… Aber hier geht es ja auch um meine Gesundheit. Und wenn man abends weggeht, soll man ja auch Spass haben, oder?
Es gibt einige Argumente der Gegenseite, die mich aber auch nachdenklich gestimmt haben. Lärmbelästigung. Wieso verursacht Nichtraucherschutz Lärmbelästigung? Weil die Raucher vor die Tür gehen um dort eine zu Rauchen. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Unterhaltung in normaler Lautstärke zu Lärmbelästigung führt – und falls doch, man kann sich auch etwas leiser unterhalten. Das geht auch ohne Vuvuzelas. Ich weiß, ich verlange jetzt sehr viel von Rauchern, wenn ich hier darum bitte, auf die Anwohner etwas mehr Rücksicht zu nehmen.
Wobei ja eh fast alle Raucher (inzwischen) sehr Rücksichtsvoll sind. Viele Raucher besitzen den Anstand nicht in Anwesenheit von Kindern zu Rauchen. Es sind wie immer die sehr wenigen Ausnahmen, welche den Raucher immer wieder schaden. So hatte ich hier neulich mal einen Nachbarn, der mit Zigarette in den Aufzug gestiegen ist. Er hat sich zwar für die Zigarette entschuldigt, aber diese dann nur aus meinem Sichtfeld verschwinden lassen… Wie Rücksichtsvoll. Der Aufzug hat dann entsprechend gestunken. Und genau solche Typen sorgen dafür, dass der bisherige Nichtraucherschutz nicht ausreicht. Solche und die Wirte, welche die Ausnahmen für ihre Zwecke mißbraucht haben.
Wenn man auf die Seite Schwabing-sagt-nein.de schaut, hat man das Gefühl, dass es in Schwabing keinerlei Kneipen gibt, in denen nicht geraucht wird. Die Anfrage nach einer Liste von Nichtraucherkneipen wurde mir dort vom Mailserver mit “Mailadresse gibt es nicht” beantwortet. Selbst bei Nebenräumen verbreitet sich der Rauch im Nichtraucherbereich. Für mich unbrauchbar. Da kann ich nicht hingehen. Und jede Kneipe hatte irgendeine Ausnahme für sich entdecken können, um Rauchen zu erlauben. Dadurch wurde meine Freiheit, Abends mit Freunden und Kollegen mal wegzugehen, eingeschränkt. Keiner hat Bock stundenlang nach Nichtraucherkneipen zu suchen. Hätten sich mehr Wirte für den Nichtraucherschutz eingesetzt, wäre es vielleicht auch nie zu diesem Volksentscheid gekommen.
Aber nochmal zu den Parteien. Am Anfang hatte ich ja bereits die CSU erwähnt. Diese hatte sich diesmal komplett rausgehalten. Dafür hat sich die FDP mit der Tabaklobby zusammengetan um mit den Wörtern “Toleranz”, “Freiheit” und “Verbotsstaat” gegen den Nichtraucherschutz vorzugehen. Auf der anderen Seite waren die ödp, SPD und Grünen. Also eine Regierungspartei mit Lobby vs. Oppositionsparteien.
Die FDP hat mich hier sehr stark entäuscht. Bei diesem Volksentscheid haben sich den Begriff “Freiheit” verwendet um damit die wirtschaftlichen Interessen der Tabakindustrie zu unterstützen. Durch diese Zweckentfremdung machen sie noch weiter unbeliebt und ich kann sich auch nicht mehr als Kämpfer für die Freiheit ernst nehmen. Ich hatte ja noch immer ein wenig Hoffnung, aber scheinbar gibt es unter den alten Parteien wirklich kaum eine Partei, welche noch die Interessen des Volkes vertritt :-( Oder werden diese nur vertreten, wenn sich die Partei in der Opposition befindet?
Die Befürchtung eines Verbotsstaats sind auch quatsch. Der CSU ist der Nichtraucherschutz egal. Wenn es hier Potential gegeben hätte, die Stoppschilder – äh den Nichtraucherschutz auch auf andere Bereiche zu erweitern, wären die CSU doch die stärksten Befürworter gewesen. Das ist hier nicht der Fall.
Mein Fazit: Der Nichtraucherschutz ist ein gewaltiger Schritt nach vorne. Meiner Meinung nach zwar ein klein wenig zu weit. Ein kleinen Hauch zurück und wir haben ein sinnvolles Gleichgewicht.





Am 7. Juli 2010 um 16:04 Uhr
Als Nichtraucher begrüße ich das Ergebnis des Volksentscheides und würde mich freuen wenn wir in allen anderen Bundesländern eine ähnliche Regelung hätten. Deswegen finde ich es auch besonders enttäuschend, dass der Bundesgesundheitsminister sich nicht dafür einsetzen möchte und die Verantwortung den Bundesländer zuschiebt.