Volksentscheid zum Nichtraucherschutz
Samstag, den 26. Juni 2010 um 18:19Nächsten Sonntag werde ich beim Volksentscheid zum Nichtraucherschutz abstimmen. Allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher, wo ich mein Häckchen machen soll.
Ich bin Nichtraucher. Und werde es auch bleiben. Und ich habe auch schon meine Erfahrung mit rauchenden Zeitgenossen gemacht. Ich fahre zwar nicht mehr Bahn, aber ich kann mich noch erschreckend gut daran erinnern, wie es im Winter war, in einen Zug einzusteigen – und man bei der Platzsuche durch ein zugenebeltes Raucherabteil durch mußte. Schauderhaft. Und dann diese Raucher, welche im Zug an der Tür stehen, kurz vor der Abfahrt noch einmal kräftig an der Zigarette ziehen, diese dann einfach auf den Bahnsteig schnipsen, warten bis die Türen zugehen und dann “genüßlich” ausatmen. Ekelhaft. Boshaft? Keine Ahnung, vielleicht denken sich diese Raucher gar nichts dabei… Ich fahre nicht mehr Bahn, aber ab und zu mit dem Aufzug. Kleine, enge Räume in denen sich der Gestank von Zigaretten sehr gut erhält. Zum Glück, passiert das bei uns hier nicht so oft. Aber es passiert.
Wie ihr seht, bin ich da schon sehr stark geprägt. Es hat sich aber in den letzten Jahren deutlich verbessert. Viele Raucher sind rücksichtsvoller geworden und man kann jetzt auch oftmals in Restaurants gemütlich essen. Und Raucher fallen jetzt nicht mehr durch ihre Anwesenheit (negativ) auf – sondern eher durch ihre Abwesenheit, weil sie gerade draußen beim Rauchen sind. Das ist auf jeden Fall besser. Einzig störend ist eigentlich nur, dass sie genau vor der Tür stehen – zwei Meter daneben wäre IMHO rücksichtsvoller gegenüber Nichtrauchern.
Es hat sich deutlich verbessert. Ein nochmal verschärfterer Nichtraucherschutz erscheint für mich daher mehr reine Boshaftigkeit zu sein. Nochmal den Rauchern eins Reinwürgen. Yeah! Sowas finde ich doof. Ich bin für eine friedliche Koexistenz. Raucher nehmen jetzt deutlich mehr Rücksicht auf Nichtraucher. Also können wir Nichtraucher auch wieder etwas mehr Rücksicht auf Raucher nehmen!
Wie ihr merkt, tendiere ich wohl eher Richtung Nein. Aber das ist erstmal nur ein Bauchgefühl. Ich werde mich auf den folgenden Seiten nochmal etwas genauer informieren.
- Ja zum Nichtraucherschutz (Seitwert: 33,71)
- Fairness für Raucher (Seitwert: 10,65)
- Bayern sagt NEIN! (Seitwert: 17,90)
- Nein beim Volksentscheid (Seitwert: 13,92)
Nach einer ersten Sichtung der Websites (Ja zum Nichtraucherschutz und Bayern sagt NEIN!) würde ich aber dann doch wieder Richtung Ja tendieren. Die Website vom Nichtraucherschutz ist einfach angenehmer und freundlicher.
Wie ist eure Meinung zum Volksentscheid?
[Update 19:14] Ich habe noch weitere Links hinzugefügt
[Update 19:28] Mit der Fairness für Raucher-Seite habe ich jetzt auch eine NEIN-Website gefunden, die auch angenehm und freundlich wirkt.
[Update 19:42] Ich habe dank des Hinweises von Xila eine wichtige Information beim Bundesverein Gastronomie und Genuss e.V. gefunden:
[..] Fairness für Raucher ist stark daran gelegen, dass eine klare Trennung zwischen dem von der Zigarettenlobby unterstützten Aktionsbündnis Freiheit und Toleranz und der Interessengemeinschaft Fairness für Raucher gezogen wird. [..]
Das “Aktionsbündnis Freiheit und Toleranz” (und deren Website “Bayern sagt NEIN!”) ist sehr gut dazu geeignet, Besucher zu überzeugen, eher JA zu stimmen… Aber mit “Fairness für Raucher” habe ich jetzt auch eine Seite gefunden, bei der ich mich jetzt doch noch mit den Argumenten der Raucher beschäftigen kann.





Am 26. Juni 2010 um 18:56 Uhr
Nach näherer Betrachtung der beiden Websites tendiere ich tatsächlich zum JA. Ich weiß nicht mehr, wer es war, aber irgendjemand hat das Gerücht in die Welt gesetzt, dass das neue Gesetz sehr streng werden soll, dass noch nicht einmal mehr auf der Straße sondern nur noch in der eigenen Wohnung geraucht werden darf. Dies halte ich aber für übertrieben, denn wenn in Parks, auf der Straße, auf dem Balkon geraucht wird, dann stört mich das überhaupt nicht.
Jetzt lese ich aber, dass der Nichtraucherschutz nur in geschlossenen Räumen zu 100% durchgesetzt werden soll. Und das finde ich gut. Denn erstens ist es mir schon passiert, dass ich unverhofft in eine Kneipe kam, die verraucht war, und das empfand ich als sehr unangenehm. Ich bekomme davon Kopfschmerzen und meine Kontaktlinsen trocknen aus.
Und zweitens haben wir eigentlich das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Dies gilt aber nicht für Kellnerinnen und Kellner und andere Arbeitnehmer im Gastgewerbe. Das finde ich unzumutbar und daher werde ich wohl am nächsten Sonntag mit JA stimmen.
Am 26. Juni 2010 um 19:10 Uhr
Hi Florian,
Respekt, auf welche Art und Weise du versuchst, abzuwägen, alle Gesichtspunkte mit in Betracht zu ziehen und auf diese Weise die richtige Entscheidung zu finden. Deshalb interessiert es dich vielleicht, daß es außer den Rauchern und den Nichtrauchern noch eine dritte Seite gibt, an die du bisher nicht gedacht hast: Die Wirte der momentan noch bestehenden Raucherkneipen.
Die Seite Bayern sagt Nein ist eine Initiative der Gastronomie, nicht der Raucher. Unter den Wirten geht ziemliche Angst vor dem um, was kommen wird, falls die Ja-Stimmen in der Mehrheit sind. Es wird ihrer (und meiner) Meinung nach höchstwahrscheinlich zu einem größeren Kneipensterben kommen.
Ich bin kein Wirt und auch kein Kneipengänger, aber mit einem kleinen Geschäft selbständig. Aus dieser Perspektive fände ich es schon bitter, wenn meine geschäftliche Zukunft von einem Volksentscheid abhängen würde, und dabei manche Wähler vor allem der CSU eins auswischen wollen, andere den Rauchern und so fort, aber fast niemanden interessiert es, ob für mich vielleicht die Früchte jahrelanger Arbeit zunichte werden.
Gruß,
xila
Am 3. Juli 2010 um 11:42 Uhr
Hallo Florian,
schön, dass du relativ neutral berichtest. Unsere Gruppe (Raucher und Nichraucher bunt gemischt) kämpft gegen das totale Rauchverbot, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass tatsächlich die Existenz vieler Kneipen bedroht wäre. Lass mit kurz erkären warum,
-Bayern ist keine Insel (wäre manchmal aber nicht schlecht), d.h. in den ganzen Randgebieten zu Österreich, Hessen Baden-Württemberg werden bei uns die Kneipen zumachen und dort machen sie auf. Ähnlich wie bei den Tankstellen an der Grenze zu Österreich. Es gibt auf deutscher Seite keine .mehr.
-Das nächste Problem ist die Lärmbelästigung. Ich kenne mehrere Kneipen, die beim damaligen totalen Rauchverbot ständig Anzeigen wegen Lärmbelästiung bekommen haben. Nach dem 3 oder 4 mal ist die Konzession weg. Der braucht nur eine alte Oma im Haus haben, die ab 23 Uhr nicht schlafen kann, weil drei Raucher sich vor der Tür unterhalten. Schon ist der Wirt fällig, denn der ist für die Gäste vor der Tür verantwortlich. (Das gibt es übrigens auch nur in Deutschland.)
- Was bei der jetzigen Diskussion auch viel zu kuzr gekommen ist, ist die Situation der großen Bowling-und Spielanlagen-Zentren. Ich kenne einen, der hat 40 Angestellte und muss die von 5 wahrscheinlich 3 Anlagen schließen, wenn nicht mehr in einem kleinen Nebenraum geraucht werden darf. Die Raucher wechslen nicht ständig die Schuhe, um mal schnell zwei Stockwerke höher eine rauchen zu können. Da kommen ganze Gruppen eben gar nicht mehr, was beim damaligen totalen Rauchverbot der Fall war. Bei dem sind jetzt aber 80 % der Gäste mit der derzeitigen Situation völlig zufrieden, denn er hat unter 5000 Mitgliedern eine Umfrage gemacht. Für den wäre ein totales Rauchverbot eine Katastrophe, von den betroffenen Angestellten ganz zu schweigen.
Ich persönlich habe auch die Erfahrung gemacht, dass den meisten Nichtrauchern wichtig ist, dass beim Essen und Tanzen nicht mehr geraucht werden darf. Und das ist mit dem jetzigen Gesetz gegeben. Die kleinen Kneipen interessieren die nicht, denn da gehen die ohnehin nicht hin. Ich übrigens auch nicht, aber warum sollte und ich die mit aller Gewalt kaputt machen? Die gehören irgendwie zum Stadtbild und haben auch eine wichtige soziale Funktion. Und wenn dort nicht mehr geraucht werden darf, bleiben die Leute halt zu Hause und der Wirt hat das Nachsehen.
Noch eins: Die kleinen Kneipen sind zu 80 % Brauereingebunden, d.h. dort wird noch bayerisches Bier ausgeschenkt. Wenn die zumachen, verlieren die bayerischen Brauerein einen wichtigen Absatzmarkt, was auch wieder Arbeitsplätzt kosten wird.
Ich können noch sehr viele andere Beispiele aufführen, deshalb nur noch eins, was mich am meisten stört. Die Spitzel- und Überwachungstätigkeit wird bei einem Totalverbot zunehmen, denn die Hirnis von Pro-Rauchfrei rufen ja schon dazu auf, anonyme Anzeigen zu schreiben.
Als geborener Münchner sind mir solche Denunzianten ein absoluter Graus, weshalb ich die Leser nochmals bitten würde, die Vor und Nachteile eines Totalverbotes nochmal genau abzuwägen.
Wer das tun, wird meines Erachtens mit NEIN stimmen.
Viele Grüße
Paul