In Berlin gehostet…
Dienstag, den 25. Dezember 2007Erschreckend. 12.000 Verdächtige beim Kinderporno-Skandal in Deutschland. Laut heise.de wurden die Ermittlung aufgrund von Hinweisen eines Berliner Providers aufgenommen. Bei Spiegel.de ist ein ausführlicherer Artikel zu finden.
Zwölftausende deutsche Bürger die Kinderpornografie runterladen? Erschreckend. Unglaublich. Und auch erstmal so nicht korrekt. Erstmal muß man sich ja überlegen, wie der Berliner Provider das verwerfliche Material entdeckt hat? War es Zufall? Haben die ihre Server durchsucht? Ist das Material von eine Kunden hochgeladen worden oder wurden Sicherheitslücken mißbraucht?
Auch ist die Frage, welche Daten der Polizei gegeben wurden. 12.000 Verdächte klingt schonmal sehr viel – aber man kann nicht einfach von einem Website-Besucher auf einen Verdächtigen schließen. Wenn die Dateien über eine Website heruntergeladen wurde, dann befindet sich seine IP-Adresse im Serverlogfile. Aber auch wenn er nur ein Bild von diesem Server angezeigt bekommen hat oder nur auf der Startseite war, ist seine IP-Adresse im Logfile. Die IP-Adresse alleine bringt auch noch nichts – man muß da erstmal Namen zuordnen. Für Internet-Zugangs-Provider gilt ab 2009 die verdachtsunabhängige Vorratsdatenspeicherung (Für Telefonanbieter bereits 2008) – aber vielleicht machen das ja einige Provider jetzt schon. Wenn ich die Artikel richtig verstanden habe, dann sind es nicht 12.000 unterschiedliche IP-Adressen, sondern 12.000 Namen. Deutsche Namen.
Also rein theoretisch: Man surft durchs Internet, besucht ein Gästebuch, wo jemand ein Bild dieser Seite eingebunden hat – wenn man jetzt noch bei einem Provider ist, der IP-Adressen und Namen speichert, dann könnte man zu den 12.000 Verdächtigen gehören…
Natürlich könnte es auch sein, dass es sich um einen Webshop handelt und dort 12.000 deutsche Kunden registriert sind und sich das besagte Material gekauft haben. Jemand der mit Kinderpornografie handelt ist geistig nicht ganz fitt – aber dass dann auch noch über einen deutschen Provider zu machen? Halte ich persönlich für unwahrscheinlich. Ich halte die Variante mit der Website für wahrscheinlicher.
Durch das Heise-Forum wurde ich auf einen Artikel im law blog aufmerksam. Dort wird auf einen Fall näher eingegangen. Wieviel der 12.000 Verdächtigen wirklich Kinderpornografie gesucht oder heruntergeladen haben – oder es wollten – werden wir wohl nicht mitbekommen.
Aber ich kann mir vorstellen, dass die Zahl vorallem aus politischen Gründen veröffentlicht wurde. Die Nachricht über 12.000 Verdächtige in Deutschland ist ein schönes Argument für die Befürworter der Vorratsdatenspeicherung und anderen Überwachungsmaßnahmen. Ich finde es super, dass man pädophilen A…löchern das Handwerk legt. Aber ich habe in den letzten Jahren immer mehr Vertrauen in unseren Staat verloren und vermute daher (und da bin ich nicht alleine) auch einen PR-Aktion für weitere Überwachungsmaßnahmen dahinter. Außerdem könnten auch viele unschuldige Bürger in diesen Logfiles auftauchen – und so ein Besuch von der Polizei könnte den betroffenen Personen sehr viel Schaden zufügen. Ich erinnere mich da an die Telecall-Sache, wo die Polizei im Büro angerufen hatte und meinen Kollegen mitteilte, dass eine Anzeige gegen mich vorliegen würde…
Update 29.12.2007: Auf Heise online gibt es nun einen weiteren Artikel über die Operation Himmel: Geringer Erfolg in der Kinderpornografie-Ermittlung. Eigentlich genau das, was ich vermutet hatte. Leider wird “12.000 Verdächtige” einigen Bürgern wohl im Gedächtnis bleiben… :-(




