Gestern war ich fast den ganzen Tag auf der Internet World und habe mir auch zwei Panels zum Thema Web Analytics angeschaut. Es tut sich einiges in diesem Gebiet. In Deutschland sind wir jedoch noch nicht ganz so weit, wie in den USA.
Der Trend geht eindeutig in die Integration der Web Analytics Daten mit anderen Systemen wie Customer Analytics oder auch Business Intelligence. Mit anderen Worten: Alles ist vernetzt. Das gibt viele neue (vielleicht aber auch Datenschutzrechtliche gefährliche) Möglichkeiten.
Auf den Ständen vor den Konferenzräumen habe ich einige alte Gesichter, aber auch neue Gesichter bei altbekannten Firmen getroffen. So habe ich mich mit einem Mitarbeiter von Nedstat über deren Produkt Sitestat kurz unterhalten. Ich kenne noch die “düster wirkende” Vorversion. Die Benutzeroberfläche wirkt in der aktuellen Version wesentlich freundlicher. Auch die Grafiken sind schön schlicht gehalten – kein unnötiges 3D-rumgespiele (Bei den 3D-Balken kann man kaum genaue Werte ablesen…). Interessant ist auch die Lösung, wie Streaming-Daten erfaßt und somit die genauen Aktionen der User getrackt werden.
Auch habe ich mich mit einem WebTrends-Spezialisten von e-dynamics unterhalten. Webtrends ist einer von wenigen Anbietern, die ihr System auch als Software anbieten. Und vorallem der einzige Anbieter, der auch Logfiles analysieren kann. Vor kurzem wurde eine neue Oberfläche mit 8.1 veröffentlicht, die jetzt mehr auf Microsoft-Technologie .net setzt. Microsoft ist selbst Kunde von WebTrends.
Wir hatten uns dann auch kurz über Microsofts Web Analytics Lösung Gatineau, welches jedoch eher als Konkurrenz zu Google Analstics aufgebaut wird. Leider habe ich noch nicht viel zu Gatineau gefunden. In einem Vortrag war ein Beispiel aus Gatineau zu sehen, wo zum Besucher unteranderem auch das Alter angezeigt wurde. Wo Microsoft diese Informationen her hat? Aus der Live-ID des Besuchers. Diese Websiteübergreifende Zusammenführung von Nutzungsdaten ist datenschutzrechtlich jedoch sehr fraglich. Soweit ich mitbekommen habe, wurde dieses “Feature” aber auch wieder deaktiviert.
Ich hatte mich dann auch noch kurz mit Axel Amthor von Contentmetrics – die Webcontrolling-Spezialisten in Deutschland – unterhalten. Wir hatten uns kurz über Open Source Lösungen unterhalten. Aber wirklich nur sehr kurz. Es gibt nämlich keine. Warum? Meine Überlegung war es, dass der Web Analytics Markt vielleicht zu Speziell ist. Aber es gibt ganze ERP-Systeme oder auch beim Content Management Markt gibt es jede Menge Lösungen. So präsentiert z.B. Stefan Bauer von Target-E auf seinem Stand die Open Source Solution Typo3. Wenige Stände weiter steht Wolfgang Schmidetzski von Innovation Gate mit seinem System webGate anywhere und verschenkt den kleinen At (“<@”) an Besucher und potentielle Kunden. WebGate basierte ursprünglich mal auf Lotus Notes / Lotus Domino – und war auf dieser Plattform das beste mir bekannte Content Management System. Inzwischen läuft das ganze auf JAVA.

Aber zurück zu Open Source. Warum gibt es noch keine freie (brauchbare) Web Analytics Lösung? Es fällt aber schon auf, das viele große Open Source Lösungen aus Europa kommen. Linus Torvalds, Vater des Linux, stammt aus Helsinki, Finnland. Der Erfinder des Content Management Systems Tyop3 , Kasper Skårhøj, kommt aus Dänemark. MySQL ist von der schwedischen Firma MySQL AB. PHP jedoch stammt von Rasmus Lerdorf aus Grönland und WordPress von Matthew Muellenweg aus Houston, Texas. Eventuell wird es in der nächsten Zeit einige systemübergreifende Webanalytics Lösungen geben. Aber das wird wohl noch lange dauern.
Bei einer Präsentation wurde die Software WiredMinds gezeigt. Ich habe bisher noch nichts von dieser Software gehört – aber soweit ich die Präsentation verstanden habe, wurde die Analytics Lösung in die Website-Logik integriert und somit haben die ausgewerteten Zahlen einen direkten Einfluss auf die Website.
Ich hatte leider keine Zeit mich mit den Leuten von etracker zu unterhalten. Letztes Jahr hatte ich Christian Bennefeld auf dem Internet World Kongress sehen können. Bei etracker kann man leicht einsteigen und sich dadurch grundsätzlich mit den Möglichkeiten vertraut machen und bei Bedarf auch upgraden. Für den Einstieg ganz gut – und vermutlich für viele Anforderungen genau richtig. etracker ist der einzige mir bekannte Anbieter, der sich aktiv um das Thema Datenschutz kümmert und auch eine (laut etracker) 100% Datenschutzkonforme Lösung anbietet. So werden z.B. die IP-Adressen der Besucher nicht vollständig wiedergegeben und können daher nicht mehr eindeutig Personen zugeordnet werden. Ich bin mal gespannt, wie etracker auf “Wir speichern nicht” reagiert. Ich glaube, dass dieser Anbieter die Aktion des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung ernst nimmt.