Wenn ich zu einem bestimmten Thema mehr wissen will, verwende ich Suchmaschinen. Leider musste ich immer wieder feststellen, dass die “freie Enzyklopädie” Wikipedia unter den ersten Suchergebnissen zu finden ist. Dadurch ist Wikipedia keine Enzyklopädie mehr, sondern nur noch ein Marketing-Instrument.
Das Prinzip von Wikipedia ist eigentlich gut – nur der Faktor Mensch macht es wieder kaputt – ähnlich wie beim Kommunismus oder der sozialen Marktwirtschaft. Menschen halt. Ein schönes Beispiel hatte ich neulich beim Artikel über den Babylon Translator gesehen. Viele von Euch kennen das kleine Programm sicherlich noch. Mit diesem Programm konnte man schnell einzelne Wörter übersetzen lassen. Das Programm ist kommerziell geworden und vom Markt verschwunden. Die meisten die ich kenne sind dann auf den Leo.org umgestiegen oder verwenden nun den Google Sprachtools oder andere webbasierte Übersetzungstools. Im Artikel zu Babylon Translator wurde aber plötzlich eine mir absolut unbekannte Software als einzige brauchbare Alternative und als Nachfolger vom guten alten Babylon Translator beschrieben. Ich habe dann ein wenig nachgeforscht. Google und Leo standen drin, wurden aber dann rausgelöscht und durch dieses andere Programm ersetzt. Zufällig wurde diese Änderung vom Programmierer dieser Software selber durchgeführt! Als ich Leo, Google und andere Tools eingetragen habe wurden diese durch den Programmierer sofort wieder als “Vandalismus” rausgelöscht. Schließlich wären diese Übersetzungsdienste unbrauchbar und nicht mit Babylon oder seinem vergleichbar. Das Programm wird wohl inzwischen öfters verwendet und der Typ kommt sich jetzt cool vor. Durch mühsamer Diskussion konnte ich den Typen aber dann doch überzeugen, dass dies nicht im Sinne von Wikipedia sei und er hat die Änderung schließlich doch akzeptiert. Ein wenig Hoffnung besteht doch noch.
Aber nicht nur mittelmäßige Software kann man über Wikipedia bewerben – sondern natürlich auch Websites. Besonders bei aktuellen Themen gibt es regelrechte Kleinkriege. Ein neu eingebauter Link bleibt meistens jedoch nur kurz drin – reicht aber aus um viel Traffic zu generieren. Zwar wird dieser Traffic langfristig wieder geringer, aber zum richtigen Zeitpunkt kommen richtig viele Besucher auf die Seite. Wenn man das ganze noch kommerziell betreibt kann man damit richtig Kohle machen.
Jedoch leidet die Wikipedia noch unter einem anderen Problem. Laut einer Statistik werden die meisten Änderungen von registrierten Usern gemacht. Eine Schlussfolgerung war, dass nur die wenigen registrierten User Inhalte beitragen. In einer anderen Statistik konnte man jedoch sehen, dass diese registrierten User meist nur kleine Änderung machen. Rechtschreibfehler korrigieren, Satzzeichen einfügen. Die Inhalte kommen hauptsächlich von “IP-Adressen”. Nur ist nicht jeder User mit diesem Wissen einverstanden (siehe Babylon Translator). Manche User sehen sich auch als eine Art “Judge” an. “User sind besser als IP-Adressen” scheint wohl ein WP-Richtlinie zu sein. Sie sehen eine Änderungen, diese gefällt ihnen nicht, also machen sie diese mit Begriffen wie “Vandalismus” oder “WP:TollesGesetz” rücktgängig. Ob es nun der Wahrheit entspricht oder nicht ist da irrelevant. User haben immer Recht. IP-Adressen immer Unrecht. Okay, natürlich gibt es auch einzelne IP-Adressen die mutwillig manipulieren (siehe Links eintragen). Aber das ist die Minderheit. Die meisten IP-Adressen verschenken ihr Wissen und korrigieren Unwahrheiten – ob deren Geschenk aufgrund des Egos eines Users wieder gelöscht wird, kriegen sie meistens nicht mit.
Ich klicke daher bewusst nicht mehr auf Wikipedia-Artikel in der Suche. Ich schaue lieber nach seriösen Quellen. Falls ich nichts brauchbares finde, dann bleibt mir nichts anderes übrig als auch die Diskussion und die einzelnen Änderungen durchzuschauen – und fast überall gibt es “Editwars”. Eine freie Enzyklopädie ist leider doch nur Utopie. Traurig aber wahr.